Nachhaltigkeitsstandard: Was ist das?

Nachhaltigkeitsstandard: Was ist das?

Ein Nachhaltigkeitsstandard legt Kriterien fest, an denen die Nachhaltigkeit einer Organisation oder eines Unternehmens gemessen werden kann. Dazu gibt es verschiedene Normen und Regelungen. Die bekannte Norm ist in diesem Zusammenhang die DIN ISO 26000. Diese wurde allerdings nicht für die Zertifizierung einer Organisation oder eines Unternehmens entwickelt. Die Norm hat damit nur einen reinen Leitfadencharakter und definiert keine verbindlichen Forderungen. Jede Branchen und jede Unternehmensgröße hat besondere Herausforderung im Bereich der Nachhaltigkeit, was deren Bewertung komplex macht.

Ein interessante Hilfestellung als Einstieg in das Themenfeld Nachhaltigkeitsstandard ist die Broschüre „Gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen – Eine Orientierungshilfe für Kernthemen und Handlungsfelder des Leitfadens DIN ISO 26000„, welche von Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) herausgegeben wurde.

Außerdem geben die Sustainable Development Goals (SDG) und der UN Global Compact eine erste Orientierung. Der Global Compact ist die weltweit größte Initiative für nachhaltige und verantwortungsvolle Unternehmensführung. So haben sich dem Global Compact Netzwerk (DGCN) in Deutschland mehr als 720 Teilnehmende aus Wirtschaft und Politik angeschlossen

Viele Nachhaltigkeitsstandards legen einen thematischen Schwerpunkt im Bereich der Umwelt. Der Begriff der Nachhaltigkeit ist jedoch sehr viel umfassender und Umweltaspekte decken dabei nur einen Teil ab. Somit kann ein echter Nachhaltigkeitsstandard nicht nur aus der Betrachtung von ökologischen Aspekten der Nachhaltigkeit bestehen.

Was bedeutet Nachhaltigkeit in einem Standard?

Nachhaltigkeit besteht laut Definition aus drei Bereichen. Nämlich der ökonomischen-, ökologischen- und sozialen Nachhaltigkeit.

Ökologische Nachhaltigkeit

Die ökologische Nachhaltigkeit berücksichtigt zum Beispiel die Klimaneutralität, Regionalität oder die Biodiversität. So muss ein Unternehmen zum Beispiel seine Treibhausgasemissionen erfassen und Reduktionsmaßnahmen planen und im Idealfall bereits veranlassen. Das Unternehmen ist zudem bemüht, Abfall und Verpackungen weitestgehend zu vermeiden.

Soziale Nachhaltigkeit

Arbeitsschutz und Menschenrechte stehen im Fokus wie zum Beispiel die Gesundheit der Beschäftigten. Im Bereich der sozialen Nachhaltigkeit soll ein Unternehmen so organisiert sein, dass sich soziale Spannungen in Grenzen halten und Konflikte nicht eskalieren. Ein Nachhaltiges Unternehmen verfügt über ein Wertesystem und kommuniziert dieses. Ein weiterer wichtiger Baustein sind regelmäßige Befragungen der Beschäftigten, eine angemessene Bezahlung und ein wertschätzender Umgang mit den Beschäftigten.

Ökonomische Nachhaltigkeit

Das Geschäftsmodell muss dauerhaft ohne Einbußen für nachkommende Generationen möglich sein. Im Rahmen der ökonomischen Nachhaltigkeit sollen Unternehmen wirtschaftlich arbeiten und dabei Innovationen und Qualität fördern. Das Unternehmen steht für einen fairen Wettbewerb und unterlässt unlautere Werbung. Der Betrieb engagiert sich in sozialen Bereichen und wird so seiner gesellschaftlichen Verantwortung gerecht. Regelmäßige Kundenbefragungen unterstützen das Management bei zukünftigen unternehmerischen Entscheidungen.

Nachhaltigkeitsstandard: Nachhaltiges Unternehmen

Nachhaltiges Unternehmen (DIQP) ist ein Nachhaltigkeitsstandard, der auf ökonomischen, ökologischen und sozialen Zielen beruht. Damit hebt sich der Standard von anderen Standards ab, welche nur Teilbereiche abdecken oder einen starken Schwerpunkt in einzelnen Bereichen der Nachhaltigkeit legen.

Der Standard verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz im Bereich der Nachhaltigkeit und berücksichtigt die drei Bereiche der Nachhaltigkeit (ökonomisch, ökologisch und soziale Nachhaltigkeit) zu jeweils einem Drittel.

Entwickelt wurde der Standard vom DIQP Deutsches Institut für Qualitätsstandards und -prüfung e.V. einer Non-Profitorganisation, welche Qualitätsstandards für Deutschland entwickelt. Die Zertifizierung nach einem solchem Standard ist über die unabhängige Zertifizierungsgesellschaft SQC-QualityCert möglich. Zahlreiche Auszeichnungen des DIQP wurden bereits vom unabhängigen Verbraucherportal Label-online.de als „besonders empfehlenswert“ bewertet.

Wie bewertet man Nachhaltigkeit in einem Nachhaltigkeitsstandard?

Die Nachhaltigkeit eines Unternehmens in einem Nachhaltigkeitsstandard zu erfassen, ist sehr komplex. Dabei muss die Branche und die Unternehmensgröße berücksichtigt werden. Im Rahmen einer Nachhaltigkeitsbefragung werden verschiedene Themenbereiche bei Unternehmen abgefragt.

Es sind insgesamt 300 Punkte in der Nachhaltigkeitsbefragung zu erreichen (jeweils 100 Punkte pro Nachhaltigkeitsbereich). Die gemachten Angaben werden durch die Zertifizierungsgesellschaft SQC-QualityCert entsprechend ausgewertet und das Unternehmen muss Dokumente zur Prüfung bei SQC-QualityCert einreichen.

Die Dokumente sollen sicherstellen, dass die gemachten Angaben durch das Unternehmen auch den Tatsachen entsprechen. Die Befragung finden in verschiedenen Bereiche mit unterschiedlichen Anforderungen statt. An dieser Stelle werden einige Aspekte dargestellt, um einen Einblick in den Nachhaltigkeitsstandard zu bieten.

Umwelt

Das zu zertifizierende Unternehmen arbeitet an einem effektiven Schutz des Klimas und entwickelt Strategien zur Vermeidung von Treibhausgasemissionen. Das Unternehmen muss eine Treibhausgasbilanz erstellt haben. Erfasst werden dabei mindestens die Emissionen aus dem Scope 1 und Scope 2 des GHG Protocol. Sonstige Luftverschmutzungen, wie zum Beispiel mit Feinstaub werden ebenfalls erfasst. Sollte ein Unternehmen noch nicht über eine Treibhausgasbilanz verfügen, stellt SQC-QualityCert dem Unternehmen die notwendigen Informationen zur Ermittlung der Treibhausgasemissionen zur Verfügung.

Auf dem Weg zu einer möglichst klimaneutralen Unternehmensführung kompensiert das zu zertifizierende Unternehmen seine Treibhausgasemissionen. Dabei sollte ein Projekt gewählt werden, welches nach einem anerkannten Standard zertifiziert wurde. Auch dabei unterstützt SQC-QualityCert.

Soziales

Die Beschäftigten im Unternehmen werden fair bezahlt und die gesetzlichen Regelungen werden eingehalten. Das Unternehmen achtet die Menschenrechte in einem besonderen Maße und legt Wert auf die Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten. Dazu gehört auch ein Verzicht auf Kinder- und Zwangsarbeit und die Gewährleistung von Arbeitnehmerrechten wie die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft.

Das Unternehmen verpflichtet sich, diese Werte sicherzustellen und arbeitet weder mit Diktaturen noch mit autoritären Regierungen. Das Unternehmen bietet den Beschäftigten Chancen zu Weiterentwicklung und Fortbildung und bezahlt angemessene Löhne und Gehälter. Die Zufriedenheit der Beschäftigten wird in regelmäßigen Befragungen ermittelt.

Ökonomie

Die Unternehmensleitung sollte transparente Maßnahmen zur Verhinderung von Korruption und Bestechung eingeführt haben. Nachhaltigkeit wird über Hierachieebenen gelebt. Die Vergütung der Geschäftsführung sollte sich im Idealfall auch an der Erreichung von Nachhaltigkeitszielen orientieren.

Ein nachhaltiges Unternehmen kann sich zu Grundsätzen wie dem Leitbild des ehrbaren Kaufmanns verpflichten. Außerdem besteht die Möglichkeit sich zur Einhaltung des Deutschen Corporate Governance Kodex, der 2003 als Selbstregulierungsmaßnahme der deutschen Wirtschaft verabschiedet, wurde zu verpflichten.

Zu einem nachhaltigen Wirtschaften gehört auch Transparenz, Offenheit und die Vermeidung von wettbewerbswidrigen Praktiken.

Wie weist man seine Nachhaltigkeit nach?

Das zu zertifizierende Unternehmen muss umfassende Nachweise einreichen, um eine Zertifizierung als nachhaltiges Unternehmen zu erreichen. Wie genau die Dokumente aussehen ist von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich, da verschiedene Branchen unterschiedliche Anforderungen haben.

Typische Unterlagen sind zum Beispiel:

  • Treibhausgasbilanz nach GHG Protocol
  • Nachweis der Kompensation von Scope 1 und Scope II
  • Nachweis über die Zertifizierung des Kompensationsprojektes
  • Nachweis für Energiekosten (Strom und Heizung)
  • Zertifikat Umweltmanagementsystem nach ISO 14001, EMAS, Umweltpolitik
  • Nachhaltigkeitsbericht
  • Sofern Ökostrom genutzt wird, ein entsprechender Nachweis
  • Soweit vorhanden ein Nachweis für eine Energiemanagementsystem
  • Gebäudeenergieausweis
  • Selbstverpflichtungen und Absichtserklärungen
  • Nachweis der letzten MItarbeiterbefragung
  • Nachweis der letzten Kundenbefragung

WICHTIG: Es sind aber auch andere Nachweise denkbar. Im Kern geht es darum, die in der Nachhaltigkeitsbefragung gemachten Angaben zu belegen. Die notwendigen Dokumente stimmt SQC-QualityCert mit Ihnen ab, da diese auch von der Unternehmensgröße abhängig sind.

Um das Ergebnis „sehr gut“ zu erhalten, muss ein Unternehmen mindestens 70,01 Prozent der möglichen 300 Punkte erreichen.

Wie zeitaufwändig ist eine Nachhaltigkeitszertifizierung?

Der Zeitaufwand für eine Zertifizierung wird im Wesentlichen von der Größe einer Organisation bestimmt. Für ein typisches KMU kann man von einem Zeitaufwand von einem bis zu fünf Tagen ausgehen, um die Daten zu erfassen und die Nachweise zusammenzutragen und einzureichen. Die eigentliche Prüfung der Zertifizierung und die Siegelerteilung dauern ein bis zwei Wochen.

Was kostet eine Zertifizierung nach einem Nachhaltigkeitsstandard?

Für ein KMU beginnen die Kosten ab 2.490 Euro. Sollte ein Unternehmen noch keine Mitarbeiterbefragungen und Kundenbefragungen umsetzen, kann dies gleich im Rahmen der Zertifizierung miterledigt werden. Die Kosten beginnen dann ab 2.990 Euro inkl. einer Kundenbefragung und einer Mitarbeiterbefragung.

Was ist wenn ich die notwendigen Nachweise nicht habe?

Wenden Sie sich direkt an SQC-QualityCert unter www.sqc-cert.de. Wir können Sie mit zahlreichen Vorlagen bei der Zertifizierung unterstützen. Wir unterstützen Sie auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit.

Wo finde ich weitere Informationen zum Nachhaltigkeitsstandard?

Der Nachhaltigkeitsstandard ist für alle Branchen unterschiedlich. Hier können Sie sich die jeweils aktuelle Version des Fragebogens zum Nachhaltigkeitsstandard laden:

Nachhaltigkeitsstandard für Dienstleister – Version 1.1. aus 10/2021